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Sammlerfreud und -leid

Sammeln ist genetisch bedingt, arterhaltend und sozialproduktsteigernd. Außerdem macht es Spaß und ist zumeist sozialverträglich – wenngleich genervte Mitbewohner, soweit sie nicht selbst sammeln, dies teilweise vehement bestreiten würden.

Über das Sammeln als Leidenschaft und Vermögenssicherung erfährt man hierzulande überwiegend nach einem neuen Rekord, den ein Kunstwerk auf einer Auktion erreicht hat. Das finanziell viel weiter unten angesiedelte „Normal-Sammeln“ erfährt dagegen kaum jemals eine Würdigung. Schon gar nicht, wenn es sich um sogenannten „Schund“ handelt – wie z. B. Comic-Hefte. Für die Jünger dieser vielbeschworenen „Neunten Kunst“ ist im Frühsommer 2015 mit DIE KUNST DES COMIC-SAMMELNS jedoch so eine Art „Heiliges Buch“ erschienen, in dem ihrem Treiben ausführlich gehuldigt wird.

 

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In dem von Alex Jakubowski (Text) und Sandra Mann (Fotos) zusammengestellten und parallel in der Edition Lammerhuber und bei Panini veröffentlichten großformatigen Band werden fünfzehn deutsche Comic-Sammler mit ihrem außergewöhnlichen Steckenpferd in Wort – und vor allem im Bild – vorgestellt.

Der TV-Journalist Jakubowski, selbst begeisterter Comic-Leser, wollte in DIE KUNST DES COMIC-SAMMELNS bewusst nicht die „größte“ oder „beste“ Sammlung (be-)suchen (die hat ja sowieso Wimbledon Green), sondern ein möglichst breites Spektrum vorführen. Dies ist ihm mit der Auswahl der Sammler vorzüglich gelungen. Egal ob „einfacher“ Sammler, Manga-Cosplay-Aktivistin, Comic-Journalist, Buchhändler, Verlagsmitarbeiter oder Multimillionär – fast jeder hat ein anderes Spezialgebiet, sammelt aus jeweils anderen Gründen (obwohl in den erstaunlich offenen Gesprächsprotokollen auch viele Gemeinsamkeiten auftauchen), hat andere familiäre Rücksichten zu nehmen, oder – was besonders beim Fürsten von Sayn-Wittgenstein hervortritt – andere finanzielle Möglichkeiten.

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In diesem intelligent (und auch handwerklich herausragend gut) gemachten Buch erfährt man sehr viel über das Sammeln (nicht nur von Comics), und die mehr als einhundert Bilder von Sandra Mann geben einen gelungenen Einblick in die immer wieder überraschende Ästhetik einer über viele Jahre hinweg zusammengetragenen und gepflegten Sammlung.

(Auf der Homepage des Verlags kann man neben zwei Video-Einspielern auch 15 je einminütige Interview-Ausschnitte mit allen Beteiligten anhören.)

 

Herrmann Ibendorf

www.temporamores.de

 

Bibliografisches:

Alex Jakubowski (Text) und Sandra Mann (Fotos)

Die Kunst des Comicsammelns.

Baden (Austria), Edition Lammerhuber/Panini, 2015, 280 Seiten

ISBN 978-3-901753-80-0

ISBN 978-3-95798-447-0